SVP – Wenn man den Kopf in den Sand steckt, bleibt doch der Hintern zu sehen.
Die grösste Partei der Schweiz fordert seit ihrer Gründung konsequent die Ausschaffung krimineller Ausländer, den Stopp von Asyl- und IV-Missbrauch und gänzlich alles, was man gegen Ausländer nur vorbringen kann. Derweilen steigert sich die Radikalität von Jahr zu Jahr. Die „Ausländerprobleme“ sind praktisch der einzige Inhalt der SVP-Politik, der bei den bürgerlichen Wählern ankommt und deshalb werden sie ausgeschöpft bis zum Gehtnichtmehr. 1989 war die Gallionsfigur der ehemaligen Bauernpartei, Christoph Blocher, noch kein gewichtiger Politiker. Er war ein Held der Rassisten und einiger konservativen Geister minderen Intellekts. Der Rassist und Holocaust Leugner Gaston-Armand Amaudruz sagte 1989 über Christoph Blocher: „Endlich ein Systempolitiker, der die Augen aufmacht“[1]
Die SVP-Politik beschränkt sich immer mehr auf die eine Thematik: Die Ausschaffung, härtere Strafen und Bootcamps als Lösung von Probleme, die teilweise tatsächlich bestehen. Das mag auf den ersten Blick das Richtige sein…
Nur sollten wir mal der Frage der Ursache auf den Grund gehen, und nicht an der Oberfläche herum kratzen: Aus den Statistiken lässt sich erkennen, dass immer mehr Straftaten von jungen Ausländern begangen werden, dies wird niemand bestreiten.
Diese jungen Ausländer stammen aus Proletarier Familien. Das Schweizerische und Europäische Proletariat setzt sich praktisch nur noch aus Ausländern und Secondos zusammen. Verwenden wir also lieber den Begriff „Proletariat“, um diese gewalttätigen Jugendlichen zu beschreiben, welche die Leidtragenden der kapitalistischen Gesellschaft sind. Die Nationalität spielt eigentlich keine Rolle, denn auch wenn das Proletariat nur aus reinrassigen Eidgenossen bestehen würde, wäre eine wachsende Kriminalität zu konstatieren.
Bürgerliche Familienmitglieder haben kaum Probleme mit der Justiz. Zu geringe Einkommen, zu viele Kinder, zu kleine Wohnungen – wo das für die proletarische Familie zur Katastrophe wird, haben bürgerliche Familien immer noch belastbare Verwandtschaft, ein Sparbuch, sind kreditwürdig; sie ersticken nicht an ihrer Ratenzahlung, wenn die Väter krank sind, brechen nicht gleich zusammen, wenn die Mütter zusammenbrechen.
Die Ausschaffung, härtere Strafen und Erziehungscamps ändern an den bestehenden Verhältnissen nichts, aufgrund derer ein Jugendlicher aus der Bahn geraten ist. Nicht dass die Lehrstelle mies war, interessiert die Statistiken, sondern dass der Jugendliche sie verlassen hat. Nicht dass die Wohnung zu eng war und die Geschwisterzahl zu gross, um Hausaufgaben machen zu können, sondern dass der Jugendliche die Schule geschwänzt hat. Nicht dass er mit seinem Taschengeld nicht auskommen konnte, sondern dass er geklaut hat. Nicht dass das Mädchen keine Kleider hatte, wie es die Werbung befiehlt, sondern dass es auf den Strich gegangen ist.
Harte Strafen, Erziehungscamps und seit neuestem auch Ausschaffung sind die Degen, die Knüppel des Systems, mit dem dem proletarischen Jugendlichen eingebläut wird, dass es keinen Zweck hat, sich zu wehren, keinen Zweck, etwas anderes zu wollen, als lebenslänglich am vor dem TV zu sitzen, an untergeordneter Stelle zu arbeiten, Befehlempfänger zu sein und zu bleiben, das Maul zu halten und zu konsumieren.
Zur Diskriminierung dieser Jugendlichen gehört ihre Unglaubwürdigmachung. Das betrifft nicht nur sie, auch ihre Eltern und Freunde, ihr ganzes Volk als eine Bande von Taugenichtsen und Kriminellen. In der Klassengesellschaft ist Armut Schande, der Kriminalität benachbart. Und so wird diese Angst vor Schande ausgenutzt. Kriminalität wird bekämpft, obwohl sie grösstenteils lediglich der Nebeneffekt eines kapitalistischen Systems ist. Aber das Proletariat lässt sich nicht ausschaffen…
[1] Zit. nach Jürg Frischknecht – „Schweiz wir kommen“ Seite 257







